Rapid dreht Sechs-Tore-Spiel gegen den LASK und springt auf Rang zwei

Rapid dreht Sechs-Tore-Spiel gegen den LASK und springt auf Rang zwei

Der SK Rapid hat am Sonntag im Allianz Stadion ein intensives und phasenweise wildes Meistergruppen-Spiel gegen den LASK mit 4:2 gewonnen. Vor 13.591 Zuschauern drehten die Hütteldorfer einen frühen Rückstand, feierten damit den zweiten Sieg im zweiten Meistergruppen-Spiel und rückten bis auf einen Punkt an Tabellenführer Sturm Graz heran. Der LASK hingegen blieb auch im oberen Play-off weiter sieglos und fiel auf Rang fünf zurück.

Schon die ersten Minuten lieferten alles, was dieses Duell später auszeichnen sollte: Tempo, Fehler, direkte Antworten und eine hohe Intensität in beiden Strafräumen. Der LASK erwischte den perfekten Start, weil Samuel Adeniran bereits nach 31 Sekunden einen Ballgewinn eiskalt zur Führung nutzte. Rapid reagierte aber sofort und zeigte genau jene Widerstandsfähigkeit, die zuletzt schon beim Auswärtssieg in Salzburg zu sehen war. Nach einem Corner von Matthias Seidl stieg Jakob Schöller hoch und köpfte zum schnellen 1:1 ein.

Mit dem Ausgleich kam Rapid immer besser in die Partie. Die Wiener wirkten in Ballbesitz ruhiger, fanden über die Flügel mehr Zugriff und kamen zunehmend in gute Zonen. In der 33. Minute folgte schließlich die Wende: Ein sauber ausgespielter Angriff über Janis Antiste und Jannes Horn landete bei Bendegúz Bolla, der zur 2:1-Führung abschloss. Rapid hatte das Spiel damit nicht nur repariert, sondern auch gedreht. Noch vor der Pause waren weitere Treffer möglich, unter anderem wurde ein Kopfball von Andi Weimann noch von der Linie gekratzt.

Auch nach Seitenwechsel blieb die Partie offen. Der LASK versuchte, wieder mehr Druck aufzubauen, doch Rapid hatte in den entscheidenden Szenen die besseren Antworten. Besonders wichtig war eine starke Parade von Niklas Hedl kurz nach Wiederbeginn, die einen neuerlichen Dämpfer verhinderte. Danach wurde eine Standardsituation zum nächsten Schlüssel der Partie: Nach einem Eckball bekam Rapid wegen eines Handspiels Elfmeter zugesprochen. Bolla trat an und verwandelte in der 65. Minute zum 3:1. Dieser Treffer gab Rapid Luft, auch wenn das Spiel noch nicht entschieden war.

Der LASK kam durch Moses Usor in der 79. Minute zwar noch einmal auf 3:2 heran, doch Rapid antwortete erneut schnell und reif. Nur wenige Minuten später trieb Romeo Amane den Ball stark nach vorne, legte in den Rückraum, und Kapitän Matthias Seidl setzte mit dem 4:2 in der 85. Minute den Schlusspunkt. Genau dieses Muster war letztlich spielentscheidend: Rapid ließ sich von Rückschlägen nicht aus dem Rhythmus bringen und fand fast immer die direkte Gegenreaktion.

Warum Rapid dieses Spiel gewann

Der Sieg war nicht nur ein Resultat von Effizienz, sondern auch von Mentalität. Rapid kassierte das früheste Gegentor des Abends, blieb aber stabil. Dazu kam, dass die Wiener ihre Offensivaktionen klarer und zielgerichteter ausspielten als der LASK. Vor allem über Seidl, Horn, Amane und den sehr aktiven Bolla entstand immer wieder Dynamik. Dass ein Verteidiger wie Bolla mit zwei Treffern – darunter ein Elfmeter – zur prägenden Figur wurde, passt zu einem Spiel, in dem Rapid in den entscheidenden Momenten konsequenter war.

Beim LASK war dagegen zu sehen, dass die Mannschaft zwar offensiv gefährlich bleiben kann, sich aber in der Defensive zu viele unsaubere Momente leistete. Der frühe Vorsprung hätte den Oberösterreichern eigentlich Sicherheit geben sollen, stattdessen verlor das Team nach dem raschen 1:1 die Kontrolle über wichtige Phasen. Auch der Cup-Finalist wirkte nicht chancenlos, doch im Unterschied zu Rapid fehlte die letzte Stabilität in den Schlüsselaktionen.

Stimmen nach dem Spiel: Trainer

In den ersten Reaktionen nach dem Schlusspfiff zeigte sich Rapid-Cheftrainer Johannes Hoff Thorup zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft, ordnete den Erfolg aber zugleich nüchtern ein. Im Sky-Interview stand für ihn nicht der neue Tabellenrang im Vordergrund, sondern die Leistung selbst – schon der Titel seiner Reaktion macht das deutlich: „Die Tabelle interessiert mich nicht so sehr“. Damit unterstrich Thorup, dass Rapid den Lauf bestätigen will, ohne sich zu früh von der Ausgangslage blenden zu lassen.

Auf Seiten des LASK fiel die Analyse deutlich kritischer aus. Dietmar Kühbauer zeigte sich nach dem 2:4 unzufrieden und betonte laut Sky, dass „Aufgeben … der falsche Weg“ wäre. Diese Aussage passt zu einem Spiel, in dem der LASK zwar gute Phasen hatte, sich den Ertrag aber durch zu viele Fehler selbst beschädigte. Kühbauer versuchte damit erkennbar, nach der Niederlage den Blick wieder nach vorne zu richten.

Stimmen nach dem Spiel: Spieler

Bei Rapid stand nach Schlusspfiff naturgemäß Bendegúz Bolla im Fokus. Der Doppeltorschütze sprach laut Sky auch über die Szene vor dem Elfmeter, als es intern Diskussionen um den Schützen gab. Seine Kernaussage dazu lautete: „Werden noch darüber sprechen.“ Das zeigt, dass Rapid trotz des klaren Ergebnisses auch Themen mitnimmt, die intern aufgearbeitet werden. Sportlich war Bolla aber einer der großen Matchwinner dieses Abends.

Auch Jakob Schöller rückte in den Mittelpunkt, nicht nur wegen seines frühen Ausgleichstors. Nach dem Spiel gab er im Sky-Interview ein Update, nachdem er im Verlauf der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden musste. Dass dieses Thema sofort aufgegriffen wurde, zeigt, wie wichtig Schöller in diesem Spiel war – sein Treffer zum 1:1 war der Wendepunkt nach dem frühen Schock.

Beim LASK sprach Samuel Adeniran nach dem Spiel davon, dass man „einige Fehler gemacht“ habe. Genau diese kurze Analyse trifft den Kern aus Linzer Sicht sehr gut: Der frühe Führungstreffer war ein Traumstart, doch im weiteren Verlauf machte der LASK zu viele Fehler in Zuordnung, Zweikampfverhalten und Strafraumverteidigung, um in Hütteldorf etwas mitzunehmen.

Fazit

Rapid hat gegen den LASK nicht einfach nur drei Punkte geholt, sondern ein Signal gesetzt. Nach dem Sieg in Salzburg legten die Hütteldorfer zuhause nach, zeigten Widerstandskraft nach dem frühen Rückstand und präsentierten sich in den entscheidenden Momenten kaltschnäuzig. Der LASK wiederum bleibt gefährlich, aber auch anfällig – und genau diese Mischung kostete ihn in Wien am Ende Punkte. Für Rapid ist das 4:2 deshalb mehr als nur ein Heimsieg: Es war ein Abend, an dem Ergebnis, Moral und Tabellenbild perfekt zusammenpassten.

Nachricht / Barış Öztürk

Foto / Yiğit Örme